Würdevolles Gedenken an Hiroshima und Nagasaki

Pax Christi und Internationale Ärzte-Vereinigung luden ein

Am 8. Juli 2020, also einen Monat vorher, hatte Lüdinghausens Bürgermeister Richard Borgmann im wörtlichen und übertragenen Sinne „Flagge gezeigt“ für eine Abschaffung von Atomwaffen. Als einer von weltweit 7.909 Amtskollegen, der „Mayors for Peace“, unterstützt er seit einigen Jahren die Initiative der Oberbürgermeister von Hiroshima und Nagasaki. Mit dem doppelten nuklearen Angriff der US-Air-Force auf diese zwei südjapanischen Städte endete der Zweite Weltkrieg auch im pazifisch-asiatischen Raum, drei Monate nach dem Ende in Europa durch die Kapitulation des Deutschen Reiches. Alle Regierungen der USA haben diesen finalen Angriff immer wieder gerechtfertigt.

Da Richard Borgmann noch im Urlaub war, vertrat ihn Josephine Kleyboldt bei einer Gedenkstunde, die auf Initiative der katholisch-ökumenischen Friedensbewegung Pax Christi und der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) am 5. August, am Vorabend des 75. Jahrestages auf dem Platz neben der St.-Felizitas-Kirche stattfand. Dr. med. Rüdiger Busch und Karl-Heinz Kocar fanden Worte der Information und der Mahnung, regelmäßig unterbrochen durch Schläge auf einen großen Gong, dessen tiefer Klang an den der Glocke erinnern sollte, die im Friedenspark von Hiroshima jedes Jahr am 6. August um 8.15 Uhr, dem Zeitpunkt der Detonation von 1945, eine Schweigeminute einläutet. Nach Einbruch der Dunkelheit werden dann dort unzählige Papierlaternen entzündet und auf einen Fluss gesetzt.

Während der Gedenkveranstaltung wurden bei der Gedenkstunde in Lüdinghausen viele brennende Schwimmkerzen auf das Wasser des Ludger-Brunnens in der Mitte des Platzes gesetzt. Und gebastelte Origami-Kraniche, in japanischer Mythologie Symbole für ein glückliches und langes Leben, säumten den Brunnenrand.

„Atomwaffen sind Terrorwaffen, von denen auch noch heute 25 in Deutschland lagern – jede mit einer Zerstörungskraft von 5 Hiroshima-Bomben“, mahnte Dr. Rüdiger Busch. Diese US-Atomwaffen sollen im Kriegsfall an Bord neuer Kampfjets von deutschen Soldaten abgeworfen werden. Das ist ein Teil der Nato-Strategie. Und Karl-Heinz Kocar sagte: „Geradezu bizarr wäre es, wollten wir allein von Gott eine Befreiung aus der tödlichen Bedrohung erwarten und ansonsten `seelen-ruhig´ zur Tagesordnung übergehen.“ Es gelte in zähem Ringen die auch mit der nuklearen Abschreckung verbundenen Allmachtsfantasien des Menschen schrittweise zu überwinden. Er  erinnerte daran, dass Papst Franziskus die atomare Abschreckung ausdrücklich ein „Verbrechen“ genannt habe. Auch Deutschland müsse nun endlich den UN-Verbotsvertrag aus dem Jahr 2017 unterzeichnen.

Eine fünfköpfige Musikgruppe um Annette Becker stellte während der Veranstaltung bekannte Friedensmelodien in den Raum, zwischen „Blowin´ in the Wind“ und „Hallelujah“, und  trug so mit Flöte und Gitarre ihren Teil dazu bei, dass eine dichte Atmosphäre entstand. Am Ende wurde das große Lied der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung „We shall overcome“ von den rund 35 Teilnehmern gemeinsam gesungen, unter Beachtung der Corona-bedingten Abstände.

Karl-Heinz Kocar, Pax Christi Lüdinghausen