Heiliger der Woche: Philipp Neri

Eine Anekdote berichtet, wie humorvoll selbst die strenge Lektion eines Beichtvaters sein kann. Eine Dame kam zu Philipp Neri in den Beichtstuhl. Ihr Fehler war es, dass sie des Öfteren in Gesellschaft schlecht über andere redete. Dafür bekam sie vom Beichtvater folgende sonderbare Buße auferlegt: Sie solle sich am Markt ein Huhn besorgen und dann damit zu ihm kommen. „Unterwegs musst du es so gut rupfen, dass dabei auch nicht eine Feder übrigbleibt.“

Es muss ein herrlicher Anblick gewesen sein, als die angesehene Dame federrupfend durch die Straßen Roms gezogen ist. Doch es war nicht die Absicht Philipp Neris, die  Frau bloßzustellen. Als sie endlich mit dem gerupften Huhn zu ihm kam, erteilte er ihr die eigentliche Lehre. Sie solle nun den Weg wieder zurückgehen und alle Federn einsammeln. Als sie entgegnete: „Das ist doch nicht möglich! Der Wind hat die Federn bereits in ganz Rom verweht.“ antwortete ihr der Heilige: „Daran hättest du vorher denken müssen. So wie du die einmal ausgestreuten Federn nicht mehr aufsammeln kannst, weil der Wind sie verweht hat, so kannst du auch die bösen Worte, die du einmal ausgesprochen hast, nicht wieder zurücknehmen.“

Eines Tages lief Philipp Neri mit einer kleinen Schachtel durch die Straßen Roms, die Augen suchend auf den Boden gerichtet. „Was suchst du?“, sprachen ihn die Leute an. „Ich suche kostbare Perlen“, antwortete er, ohne das Suchen zu unterbrechen. Die Leute schüttelten den Kopf und lachten ihn aus. „Kostbare Perlen findet man am Meer, aber nicht in den dreckigen Straßen Roms.“ Doch Neri gab die Sucherei nicht auf. „Hast du denn schon eine Perle gefunden?“, fragte ihn jemand neugierig. Philipp Neri antwortete: „Ja, natürlich!“ und ließ den neugierigen Frager in seine Schachtel schauen. Dieser lachte hell auf, und so wollten auch alle anderen hineinschauen. Alle lachten, denn in der Schachtel war ein Spiegel, und jeder sah sich selbst als kostbare Perle.

„Pippo buone“, den guten Fips, nennen ihn Römer liebevoll. Sein Bild hängt an vielen Orten in der Stadt. Sein Einsatz für die Armen und Kranken und für alle, die am Rand der Gesellschaft damals in einer Epoche hemmungsloser Prunkentfaltung standen, wurde bis heute nicht vergessen. Überhaupt war vieles ungewohnt an Philipp Neri, ja für manche kirchlichen Kreise gar anstößig und störend.

Frömmigkeit war seine tiefe Leidenschaft. Meist erntete er hierfür nur Gelächter und Hohn. Aber sein Humor und witzigen Ideen stossen auf Begeisterung. Er wird deshalb als der „Narr Gottes“ und Stadtheilige von Rom verehrt. Selbst Goethe, der mit Heiligen eigentlich nicht viel am Dichterhut hatte, war von ihm fasziniert. In seiner „Italienischen Reise“ widmete er ihm ein ganzes Kapitel. Philipp Neri ist für Goethe der Heilige, in dem „das Heilige mit dem Weltlichen, das Tugendsame mit dem Alltäglichen sich vereinigen und vertragen“.

Ohne Philipp Neri gäbe es schließlich auch kein Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Denn die Bezeichnung „Oratorium“ für dieses musikalische Genre geht letztlich auf Pippo Neri zurück. Freilich war Neri kein Komponist; aber er war Erfinder der Gebets- oder Andachtstreffen, die nach dem lateinischen Wort für beten (orare) „Oratorium“ genannt wurden. Hier wurden Gottesdienste und Predigten auf italienisch gehalten und auch Musik gemacht. Am 26. Mai 1595 stirbt Philipp Neri. 1622 wird er heilig gesprochen.

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