Impuls der Woche

Der liturgische Kalender richtet unseren Blick auf die Erzengel Michael, Gabriel und Raphael.

 

Michael wird im Buch Daniel „einer der ersten unter den Engelfürsten“ genannt. Der Prophet Daniel erfährt, dass Michael der Engelfürst des Gottesvolkes Israel ist. In der Offenbarung des Johannes tritt er auf als Anführer der Engel, der gegen Satan in Gestalt eines Drachens kämpft und ihn auf die Erde stürzt. 

 

Auch Gabriel wird im Buch Daniel erwähnt. Im Auftrag Gottes deutet er die Visionen des Propheten Daniel, damit er versteht, was Gott ihm mitteilen will. Im Lukasevangelium ist Gabriel der Bote, der Zacharias die Geburt Johannes‘ des Täufers und Maria die Geburt Jesu ankündigt.

 

Rafael kommt in der Erzählung des Buches Tobit vor. Er ist der unbekannte Begleiter des jungen Tobias auf einer langen, gefahrvollen Reise nach Medien. Unterwegs erweist er sich als unermüdlicher Lehrer und Helfer. Er weist Tobias auf Zukunftsmöglichkeiten hin und heilt sogar Tobias Vater von der Blindheit. Nach all diesen Erfahrungen erfährt Tobias, dass sein unbekannter Begleiter der Engel Rafael ist.

 

In allen diesen Engelerzählungen spiegelt die Bibel Gotteserfahrungen. In der Gestalt des Rafael leuchtet die uralte Erfahrung auf, dass Gott schützend unser Leben begleitet, dass er da ist, wenn die „Dämonen der Nacht“ das Leben bedrohen, und dass er Heilung schenkt, wenn unsere Augen blind und unsere Herzen stumpf geworden sind. In Gabriel verkörpert sich die Erfahrung, dass Gott zu uns spricht, dass er Beziehung aufnimmt, uns beruft, uns führt, uns sendet. In Michael begegnen wir dem starken Gott – Gott Zebaot, Herr der Heerscharen, nennt ihn die Bibel, Herr aller Mächte und Gewalten, Richter über die Lebenden und die Toten.

 

Michael, Gabriel und Raphael sind biblische Namen, die viel zu sagen haben:

 

Der Name Michael ist im Hebräischen eigentlich eine Frage: „Wer ist wie Gott?“. Eine gewichtige Frage. Eine Frage, die unser Leben hinterfragt – gerade dort, wo wir in Gefahr sind, uns an die Stelle Gottes zu setzen. Dort, wo nur das Ich zählt. Die Frage „Wer ist wie Gott?“ enthält bereits eine Antwort: Kein Mensch ist wie Gott in seiner Macht und in seiner Liebe. Deshalb muss Gott in der Mitte unseres Lebens stehen, wenn wir Sinn und Ziel unseres Lebens nicht verfehlen wollen. So gesehen fordert uns der Name Michael auf, Gott und seine Intention für die Welt stets an die erste Stelle zu setzen. Denn Gott will, dass seine Schöpfung das Leben hat, und es in Fülle hat.

 

Der Name Gabriel ist im Hebräischen ein Ausruf. Er bedeutet: „Meine Kraft ist Gott!“ Wer auf ihn vertraut, wird nicht zuschanden kommen, das haben die Psalmisten schon gebetet, und gläubige Menschen beten es seit Jahrtausenden. „Meine Kraft ist Gott!“ Im Vertrauen auf Gottes Kraft hat Maria zugestimmt, die Mutter Jesu zu werden. Zacharias lernt, Gott zu vertrauen. Vor diesem Hintergrund steht der Name Gabriel für Gottvertrauen: Du darfst darauf vertrauen, dass Gott sich auch als deine Kraft erweist.

 

Der Name Rafael ist ein Zuspruch: „Gott heilt!“ Die Kunst hat Rafael oft mit der lateinischen Inschrift „Medicina Dei“ dargestellt. Gott hat eine Medizin für uns, für unser Herz. Rafael verweist uns auf die sorgende Liebe Gottes. Der Name „Rafael“ steht für die „guten Mächte“, in denen letztlich Gott jeden Tag und jede Stunde bei uns ist. Bei ihm sind wir, selbst im tiefsten Leid, getröstet und geborgen.

 

Vor diesem biblischen Hintergrund wird klar, dass das Fest der Engelfürsten uns nicht in eine Phantasiewelt entführt. Es verkündet vielmehr die Botschaft, dass unsere Welt nicht gott-los ist. Er ist da, mitten unter uns – auch dann wenn wir Gegenerfahrungen machen. Diese drei Engel verkörpern in biblischen Erzählungen das Handeln Gottes selbst. So gesehen ist das Fest der Erzengel Michael, Gabriel und Rafael letztlich das Fest des Handelns Gottes an uns.

Sie sind ein Besuchermagnet in den Uffizien zu Florenz: Die drei Erzengel und Tobias unterwegs. Dieser Gruppenauftritt aus dem Jahr 1470 ist ein Werk von Francesco Botticini. Raphael und Tobias sind die Hauptfiguren auf diesem Gemälde. Der Erzengel hält Tobias an seiner rechten Hand, während dieser einen Fisch in seiner linken hält; ein Hund geht neben Raphael her – alles Szenen im Buch Tobit. Ihre Begleiter sind Michael und Gabriel. Der Erzengel Michael mit Rüstung und Schwert behauptet sich als charismatischer Soldat. Demgegenüber nimmt der Erzengel Gabriel eine sanfte Rolle ein. Er trägt eine Lilie, die als Symbol der Jungfräulichkeit natürlich auf seinen wichtigsten Botengang verweist. 

 

(Bild: „I_tre_Arcangeli_e_Tobias“ von Francesco_Botticini)

 

 

 

von Hector Sanchez