Als Teresa Sánchez de Cepeda y Ahumada am Abend des 4. Oktober 1582 in Alba de Tormes gestorben war, fand man in ihrem Brevier, so die Überlieferung, einen Zettel mit einem neunzeiligen Gedicht, das bald NADA TE TURBE genannt wurde:

Hier spricht ein Mensch zu sich selbst, in sein Inneres hinein.

 

Inmitten von Tubulenzen spricht er sich Mut zu: Nichts, gar nichts soll dich erschrecken, verstören oder gar beängstigen. Denn alles fließt, alles ist vergänglich, mitunter auch deine Notsituation.

 

Der Sprecher erinnert sich, dass Gott da ist. Denn: Dios no se muda. „Mudar“ bedeutet Umziehen, „mudanza“ heißt Umzug. Dieser Gott zieht nicht um, er wechselt nicht seinen Wohnort, wenn es bei mir kritisch wird, wenn es mir schlecht geht. Er zieht aus mir nicht aus. Er bleibt bei mir. Er bleibt sich treu in seiner Einstellung zu mir. Gott ist und wird mir nicht untreu.

 

Weil er in mir wohnen bleibt, kann ich in ihm Halt finden. Deshalb die paciencia, die Geduld. Sie erlangt alles. Hierbei handelt es sich nicht um ein passives, gar schicksalergebenes Ausharren. Im Gegenteil. Der Zuspruch „die Geduld erlangt alles“ meint ein aktives Hin-Harren, und zwar nicht darauf, dass Gott die Not schnell wenden wird. Vielmehr ist es ein Harren zu Gott selbst hin – zu Gott, auf den ich schaue inmitten meiner Not – auch wenn diese andauert und eben nicht vorübergeht. Gott ist in dieser Situation mein Ein und Alles, mein „todo“. Dieser Zuspruch steht nicht in einem leeren Raum.

 

Wer ihn ausspricht, der hat die Erfahrung gemacht: „wer Gott hat, dem fehlt nichts“ – quien a Dios tiene nada le falta. Sehr wichtig ist die Wendung „a Dios“. Sie gibt eine Richtung an: „zu Gott hin“. Gemeint ist hier die Erfahrung oder die Ahnung wenigstens, dass erst dann, wenn es mir ganz um Gott geht, um ihn selbst, bei mir, in meiner Einstellung zu ihm, nichts mehr fehlt. Anders gesagt: Der Sprecher dieses Gedichtes erinnert sich daran, dass dem Menschen erst dann „nichts fehlt“, wenn er sich Gott ganz Gottes wegen zuwendet. Hier geht es nicht mehr um mich, um meine Not, sondern um Gott selbst. Erst dann fehlt nichts mehr in meiner unvollkommenen Liebe zu ihm.

 

Am Ende des Gedichtes kann der Sprecher nun seine Überzeugung zusammenfassen: Sólo Dios basta„nur Gott ist genug“. Er drückt damit aus, worauf er im Ganzen und von den beiden Anfangszeilen an hinaus will: dass es nur genug ist, wenn es mir um Gott selbst geht – auch und gerade in der Not. Nur er ist genug.