Auf einer hohen Konsole im Paradies, in der Eingangshalle der Felizitaskirche, sitzt er im Kreis drei weiterer Gestalten und empfängt mit ihnen – meistens unbemerkt – die Besucher der Felizitas-Kirche. Die Rede ist von Gregor dem Großen, der mit seiner Papstkrone sofort auffällt.

 

Der liturgische Kalender richtet am 3. September unseren Blick auf ihn, einen Mönch auf dem Stuhl Petri.

 

Geboren wurde er um das Jahr 540. Er bekommt eine gehobene klassische Bildung. Von seiner Mutter und seinen Tanten lernt er den Wert des religiösen Lebens kennen. Bereits in jüngeren Jahren gastiert er des Öfteren in einem Kloster. Vom Abt aus Monte Cassino hört er zum erstenmal die Geschichte von hl. Benedikt von Nursia.

 

Der junge Gregorius beginnt zunächst eine öffentliche Laufbahn. Inmitten der Geschäfte und der Pracht der Repräsentation wächst in ihm die Sorge um die inneren Werte seines Lebens. Er steigt aus, lebt einige Zeit als privater Asket und wird anschließend Mönch. Im von ihm gegründeten Andreaskloster verbringt er seine Zeit mit dem Studium der Wüstenväter und des hl. Augustinus von Hippo. Gleichzeitig legt er sich eine strenge Askese auf. Durch all die Entbehrungen scheint seine Gesundheit erheblich gelitten zu haben.

 

Bischof Benedikt I. weiht ihn 579 zum Diakon und sendet ihn als Nuntius nach Konstantinopel. Der Diplomat lebt dort als Mönch zusammen mit einigen Gefährten, die er aus Rom mitnimmt. In dieser Zeit beginnt er mit seinem Werk „Moralia in Hiob“. Dieses Buch wird im gesamten Mittelalter ein Bestseller.

586 wird er nach Rom zurückbeordert. 590 wählen ihn die Christen Roms einstimmig zu ihrem Bischof. Am 3. September 590, seinem heutigen Gedenktag, empfängt er die Bischofsweihe.

 

Rom stand am Abgrund. Überschwemmungen hatten die Stadt mitsamt den Getreidespeichern verwüstet. Kriegsflüchtlinge bevölkerten die Straßen der Stadt. Die Pest-Pandemie wütete unter der hungernden Bevölkerung. Auch er versucht dank der 400 Landgütern, des sog. Vermächtnis des heiligen Petrus, die Stadt zu ernähren. Er bezahlt die Auslösung der Gefangenen der Langobarden sowie den Sold der kaiserlich-oströmischen Garnisonen.

 

Trotz aller politischen Bedrängnisse durch die militärischen Attacken der Langobarden, trotz der zermürbenden Auseinandersetzungen mit dem Patriarchen von Konstantinopel, trotz der Spaltungstendenzen in der Kirche Italiens und Nordafrikas und trotz der Pflichtvergessenheit seines eigenen Presbyteriums gewinnt Gregor durch seine kluge Diplomatie in einigen Bereichen wieder festes Land. Er setzt einen wichtigen Impuls bei der Christianisierung Englands und des fränkischen Reiches, indem er Missionsmönche in diese Gebiete sendet.

 

Neben seinen Aufgaben als Bischof von Rom verfasst er ein immenses schriftstellerisches Werk. Berühmt geworden sind neben den „Pastoralen Regeln“ und den „Dialogen über die italischen Mönchsväter“ seine „Evangelienhomilien zu den Sonn- und Feiertagen“. Aufgrund seines Gesundheitszustandes – er kann nämlich nicht mehr laut reden – verfasst er seine Predigten sorgfältig in schriftlicher Form, damit ein Diakon sie mit lauter Stimme vortragen kann. Diese Predigten werden bald unter der Hand weitergegeben. Noch einmal von Gregor redigiert wird dieser Predigtzyklus so populär, dass in der Karolingerzeit verschiedene Synoden forderten, alle Pfarren sollten ein Exemplar dieser Homilien besitzen.

 

Nach 14 Jahre Pontifikat stirbt er im Jahr 604 im Vatikan und wird im Petersdom (Alt St. Peter) bestattet.

 

Und nun drei kurze Impulse von ihm:

 

Der Christ besitzt zwei Augen, das Auge des aktiven und des kontemplativen Lebens. Er soll zusehen, dass sein aktives Leben zum kontemplativen hinführt, und das, was er im Geist, d.h. in seinem Inneren geschaut hat, zum größeren Nutzen ins aktive Leben zurückruft (Ezechielhomilien 2, 2, 11, 291).

 

Christsein bedeutet nichts anderes, als das Göttliche in sich selbst zu entdecken. Denn wer sich selbst kennt, erkennt, dass er nach dem Bild Gottes geschaffen ist (Hohenliedkommentar 44, 126).

 

Ausgangspunkt des christlichen Lebens ist die Schriftbetrachtung: Die Heilige Schrift als Wort Gottes ist solcherart beschaffen, dass sie das geistliche Leben aller befruchten kann. In diesem Sinne gleicht die Heilige Schrift einem Fluss, der einerseits so seicht ist, dass ein Lamm darin waten kann, andererseits aber auch so tief, dass ein Elefant darin schwimmen kann (Moralia, Brief an Leander, cap. 4,128f.).

 

Hector Sanchez